• Anette Frisch

Blut, das um die Wirbelsäule sprudelt

Aktualisiert: Juni 30

Tine Wagner lebt dort, wo ich immer schon leben wollte: Am Meer. Gut 10 Minuten fährt sie von ihrer Wohnung in der Nähe von Amsterdam an die Nordsee. Dort schwimmt sie. Sommer wie Winter, wenn sie es schafft, die Kälte zu überwinden.



Foto: © Jean Paul Benard


„Schwimmen bringt mich raus aus dem Kopf und rein in den Körper. Wenn ich in der Nordsee schwimme, habe ich eine Verbindung mit allem, was ist. Mit dem Leben, mit dem Universum. Das klingt vielleicht ein bisschen esoterisch und manche können damit nichts anfangen. Aber für mich ist das ganz wichtig. Schwimmen steht in engem Zusammenhang mit meiner Arbeit als Body-Talk-Therapeutin.


Viele Menschen haben das Gefühl, alleine zu sein oder nicht dazu zu gehören. Sie erleben ein Gefühl von Getrenntsein. Diese Erfahrung hat oft auch Einfluss auf die Synchronisation verschiedener Aspekte unseres Körpers und auf unsere Gefühle. Als Therapeutin kann ich feststellen, welche Teile des Körpers nicht miteinander kommunizieren. Über verschiedene Praktiken wie Muskeltests oder eine bestimmte Tipptechnik stelle ich die Verbindungen wieder her. Das setzt wiederrum Prozesse in Gang, die den Körper ausbalancieren.


Schwimmen gelernt habe ich im VW Bad in Wolfsburg. Auf der Bahn ganz rechts, es war die achte. Daran erinnere ich mich noch ganz genau. Meine Mutter ist jeden Morgen um sechs Uhr schwimmen gegangen. Das Bad war wegen der Schichtarbeiter bei Volkswagen schon früh auf. Und nachdem ich schwimmen konnte, bin ich einfach mitgegangen. Meine Mutter hat uns auch mitgenommen zum Tankumsee und Allersee. Da habe ich meine Liebe für Naturgewässer entdeckt. Sie haben so eine Weite.



Foto: © Jean Paul Benard


Neulich habe ich mir Familienfotos angeguckt, und Aufnahmen von meinem Bruder und mir gefunden. Da toben wir im Planschbecken und mit Gartenschlauch rum. Die Bilder von den Sommerferien, die wir bei unseren Großeltern verbracht haben. Die hatten einen Garten, der bestand aus nichts anderem als einem Schwimmbad. Mein Bruder und ich waren die gesamten Ferien im Wasser und haben nach Wäscheklammern getaucht.


Egal wo ich bisher gelebt habe, die Verbindung zum Wasser habe ich immer gesucht. Bevor ich vor 24 Jahren nach Amsterdam gezogen bin, war ich vor allem in Frei- und Hallenbädern schwimmen. Und ich habe erst Rudern und dann auch Wellenreiten angefangen, ziemlich spät, da war ich schon Anfang 40. Ich finde, beim Surfen erlebt man die Energie des Meeres unmittelbar. Das ist ein Grund, warum ich damit angefangen haben und: Das Board ermöglicht es mir, länger im Meer zu bleiben.


Vor vier Jahren bin ich von Amsterdam nach Bloemendaal gezogen. Mit dem Auto brauche ich ungefähr zehn Minuten bis zur Nordsee. Hinter den Dünen liegt dieser unendlich große Swimming Pool. Er ist einfach da und das ganze Jahr geöffnet. Von Oktober bis März/ April ist es für mich zum Richtigschwimmen aber doch ein bisschen zu kalt. Dann laufe ich schnell rein und wieder raus. Ich habe zwar einen Schwimmanzug, aber schöner ist es, die Nordsee auf der Haut zu spüren. Die Kälte. Das Salz. Zu spüren, wie das Blut zirkuliert und sich um die Wirbelsäule dreht wie eine Spirale. Diese Lebendigkeit des Körpers, eine Wonne!


Das Meer hat einfach eine ganz tiefe Urkraft. Die ist jeden Tag anders. Vor kurzem waren die Wellen riesig. Am Strand hatte sich wahnsinnig viel Schaum gebildet, als hätte jemand Waschmittel ins Meer geschüttet.



Foto: © Tine Wagner

Wir machen uns ziemlich viele Sorgen, gerade jetzt in der Coronazeit. Da spielen existenzielle Ängste hinein, bewusst und unbewusst. Dass uns das Leben aber auch tragen kann, das vergessen wir häufig. Schwimmen eröffnet die unmittelbare Erfahrung, getragen zu werden. Das Wasser trägt uns, wir sind schwerelos. Vielleicht liegt hier eine Verbindung: Wir kommen aus dem Mutterleib, in dem salziges Wasser ist. Und das Schwimmen im Meer bringt die Erinnerung zurück, an dieses Gefühl, das wir im Mutterleib hatten: Dass wir ganzheitlich verbunden sind.“


Tine Wagner ist Body-Talk-Therapeutin und leidenschaftliche Schwimmerin. Sie lebt in Bloemendaal. Wer mehr über Body Talk erfahren möchte, kann sich auf ihrer Website informieren, ein kurzes Video von ihr sehen oder ihr eine Mail schreiben: mail@christinewagner.nl


English version


Blood spinning around the spine

Tine Wagner lives where I always wanted to live: By the sea. It takes 10 minutes to drive from her apartment near Amsterdam to the North Sea. There she swims. Summer or winte - if she manages to overcome the cold. "Swimming takes me out of my head and into my body. When I swim in the North Sea, I have a connection with everything that is. With life, with the universe. That may sound a bit esoteric and some people can't relate to it. But for me it's very important. Swimming is closely connected to my work as a body talk therapist.

Many people have the feeling to be alone or that they do not to belong. They experience a feeling of separation. This experience often has an influence on the synchronisation of different aspects of our body and on our feelings. As a therapist I can determine which parts of the body are not communicating with each other. Through various practices such as muscle testing or a specific typing technique I re-establish the connections. This in turn sets processes in motion that balance the body.

I learned to swim in the VW pool in Wolfsburg. On the track on the far right, it was the eighth. I still remember that very well. My mother went swimming every morning at six o'clock. The pool was open early because of the shift workers at Volkswagen. And after I could swim, I just went with her. My mother also took us to Tankumsee and Allersee. That's where I discovered my love for natural waters. They are so wide.

The other day I looked at family photos and found pictures of my brother and me. We romp around in the paddling pool and with garden hose. The pictures from the summer holidays we spent with our grandparents. They had a garden that consisted of nothing but a swimming pool. My brother and I spent the whole holiday in the water, diving for clothes pegs.

No matter where I lived before, I always looked for the connection to the water. Before I moved to Amsterdam 24 years ago, I was mainly swimming in outdoor and indoor pools. And I started rowing first and then surfing, quite late, when I was already in my early 40's. I think surfing is a direct experience of the energy of the sea. That's one reason why I started and: the board allows me to stay longer in the ocean.

Four years ago I moved from Amsterdam to Bloemendaal. It takes me about ten minutes by car to get to the North Sea. Behind the dunes is this infinitely large swimming pool. It's just there and open all year round. From October to March/ April it is a bit too cold for me to swim properly. Then I quickly run in and out again. I have a swimsuit, but it is nicer to feel the North Sea on my skin. The cold. The salt. To feel the blood circulating and spinning around the spine like a spiral. The liveliness of the body, a delight.

The sea simply has a very deep elemental force. It's different every day. Recently the waves were huge. It was like someone poured detergent into the sea. We're very worried, especially now in the Corona period. There are existential fears involved, consciously and unconsciously. But we often forget that life can also carry us. Swimming opens the immediate experience of being carried. The water carries us, we are weightless. Perhaps there is a connection here: We come from the womb where there is salty water. And swimming in the sea brings back the memory of that feeling we had in the womb: "That we're connected in a holistic way." Tine Wagner is a body talk therapist and a passionate swimmer. She lives in Bloemendaal. If you would like to learn more about Body Talk, you can visit her website, watch a short video or send an email to mail@christinewagner.nl Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)